Geschichte der Freien Wähler Marktheidenfeld im Überblick

„Ich werde meine ganze Kraft für die vor uns liegenden Aufgaben einsetzen und hoffe, dass mich viele von Ihnen dabei unterstützen“ – mit diesen Worten wendet sich am 1. Juli 1972 der im Alter von 33 Jahren zum Bürgermeister gewählte Lehrer Armin Grein an die Bürger von Marktheidenfeld. Grein hatte sich als Kandidat der Freien Bürger in der Stichwahl über-raschend gegen den Kandidaten der CSU, Raymund Schmitt, durchgesetzt. Damit beginnt der Aufstieg der Freien Bürger, die sich später in „Freie Wähler“ umbenennen, zu einer der politisch bestimmenden Kräfte der Stadt Marktheidenfeld.

Den Grundstein dafür gelegt hatte der Marktheidenfelder Gastwirt Kurt Jeßberger, der bereits 1966 mit einer Liste „Freie Bürger“ für den Stadtrat kandidierte und zusammen mit Dr. Hans-Werner Colhoun in das Gremium einzog. Als 1971 die von der bayerischen Staatsregierung forcierte Gebietsreform in Marktheidenfeld leidenschaftlich diskutiert wird, ergreift Kurt Jeßberger die Initiative. Die Sorge um den Verlust des Kreissitzes und dessen Folgen führt ihn mit einer Gruppe politisch entschlossener Persönlichkeiten zusammen. Sie gründen Anfang 1972 die „Aktion Freie Bürger“. An die Spitze des Vereins, der sich auch eine Satzung gibt, tritt Stefan Schäth.

Es gelingt der neuen Gruppe, eine starke Liste für die Stadtratswahl 1972 aufzustellen, die im Sog ihres erfolgreichen Bürgermeisterkandidaten Armin Grein mit fünf Mandatsträgern in den neuen Stadtrat einzieht. Stefan Schäth wird Fraktionsvorsitzender. Der spätere Stadtrat Gerd Haas wird an seiner Stelle Vorsitzender der Freien Bürger. Mit Einsatz und Idealismus gestalten die Freien Bürger 1973 in Eigenarbeit den Erholungspark Rothenbücher Wiese, den sie der Stadt zur Nutzung durch die Bürger übergeben.

Die durch die Querelen der Gebietsreform geschwächte Marktheidenfelder CSU verwindet den in der Wahl von 1972 erlittenen Machtverlust nur schwer. Als es 1976 zu vorgezogenen Kommunalwahlen kommt, nominiert die CSU den Würzburger Stadtrat und Rechtsanwalt Jürgen Weber zu ihrem Bürgermeisterkandidaten. Die Marktheidenfelder bestätigen jedoch  Bürgermeister Armin Grein mit überwältigender Mehrheit im Amt, die Freien Bürger ziehen mit 10 Stadträten ins neue Gremium ein. Somit verfügen sie zusammen mit dem Bürgermeister über die absolute Mehrheit im Stadtrat von Marktheidenfeld. Ein Komfort, der jedoch nicht von langer Dauer war.

Wichtige Ereignisse nach den Gründerjahren – kurz zusammengefasst:

  • 1978 Neuwahl des Stadtrates, erforderlich wegen Eingemeindungen. Es findet keine Bürgermeisterwahl statt. Rückgang der Mandate der Freien Bürger auf 8 Sitze im Stadtrat. Armin Grein gründet den Landesverband der Freien Wähler und wird dessen erster Vorsitzender.
  • 1982 Stefan Schäth übernimmt von Gerd Haas den Vorsitz des Ortsvereins.
  • 1984 Nachdem die Freien Wähler auch auf Kreisebene an Einfluss gewonnen haben, bewirbt sich Bürgermeister Armin Grein um das Amt des Landrats und wird  – wiederum überraschend und wiederum gegen CSU-Mann Raymund Schmitt – zum Landrat des Landkreises Main-Spessart gewählt. Bei den daraufhin notwendigen Bürgermeisterwahlen in Marktheidenfeld setzt sich Dr. Leonhard Scherg als Kandidat der CSU knapp gegen den von den Freien Bürgern aufgestellten Hans Wirth durch. Die Fraktion der Freien Bürger muss den Verlust von drei Stadtratsmandaten hinnehmen.
  • 1987 Liane Hudalla, neu in Stadtrat und Kreistag gewählt. folgt auf Stefan Schäth als Ortsvorsitzende
  • Kommunalwahlen 1990: Die Freien Bürger stellen keinen Bürgermeisterkandidaten. Bei der Stadtratswahl steigt die Zahl der Mandatsträger auf 6. Liane Hudalla wird 3. Bürgermeisterin. Armin Grein wird als Landrat wiedergewählt.
  • 1991 Stefan Schäth wird nach seinem Ausscheiden aus dem Stadtrat zum Ehrenvorsitzenden der Freien Wähler ernannt. Liane Hudalla übernimmt der Fraktionsvorsitz, der für Schäth in den Stadtrat nachgerückte Ludwig Keller den Vorsitz des Ortsvereins.
  • 1994 Ortsvorsitzender Ludwig Keller wird in den Bezirksvorstand der Freien Wähler gewählt und gehört damit auch dem erweiterten Landesvorstand an.
  • 1996 Liane Hudalla unterliegt bei der Bürgermeisterwahl gegen Amtsinhaber Scherg. Wegen der Überschreitung der Zahl von 10.000 Einwohnern sind statt bisher 20 nunmehr 24 Stadträte zu wählen. 8 Mandate gehen an die Freien Wähler. Armin Grein wird abermals zum Landrat gewählt.
  • 1997 Bei einer Feier zum 25jährigen Bestehen des Ortsvereins werden Kurt Jeßberger, Stefan Schäth und Erwin Ries mit der Goldenen Ehrennadel des Landesverbandes  ausgezeichnet. Armin Grein wird zum Ehrenmitglied der Freien Wähler Marktheidenfeld ernannt.
  • 1998 Die Freien Wähler kandidieren erstmals für den Bayerischen Landtag. Landesvorsitzender Armin Grein wird bayerischer Spitzenkandidat, Ludwig Keller Direktkandidat für den Stimmkreis Main-Spessart. Armin Grein erreicht bei der Wahl bayernweit das Spitzenergebnis der Freien Wähler, Ludwig Keller rückt hinter ihm auf Platz 2  der Wahlkreisliste vor. Die Freien Wähler scheitern aber an der 5-Prozent-Hürde und verfehlen so den Einzug in den Landtag.
  • 2000 Die beiden Stadträte der Marktheidenfelder Bürgergemeinschaft, Horst Martin und Ulrich Stahl, schließen sich der Fraktion der Freien Wähler an.
  • 2001 Aus beruflichen Gründen kandidiert Ludwig Keller nicht mehr für den Ortsvorsitz, den Fraktionsvorsitzende Liane Hudalla zusätzlich übernimmt. In diese Zeit fällt die Umwandlung des Ortsverbandes in einen eingetragenen, rechtsfähigen Verein. Wegen dauerhafter Verhinderung von Liane Hudalla übernehmen zum Jahresende Ludwig Keller und Reinhold Braun die kommissarische Leitung des Ortsverbandes, Lucia Freitag übernimmt vertretungsweise den Fraktionsvorsitz.
  • 2002 Die Freien Wähler verzichten auf eine Bürgermeisterkandidatur. Sie ziehen mit 8 Mandatsträgern in den neuen Stadtrat ein. Lucia Freitag wird Fraktionsvorsitzende. Zur neuen Vorsitzenden des Ortsverbandes wird Helga Schmidt-Neder gewählt. Armin Grein tritt nach erfolgreicher Wiederwahl seine letzte Amtszeit als Landrat an.
  • 2006 Der plötzliche Tod des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Horst Martin erschüttert die Freien Wähler.
  • 2007 Die Freien Wähler nominieren ihre Ortsvorsitzende Helga Schmidt-Neder als Bürgermeisterkandidatin. Sie führt an der Spitze eines hochmotivierten Wahlteams einen engagierten Wahlkampf.
  • 2008 Helga Schmidt-Neder setzt sich gegen ihre beiden Mitbewerber durch und wird neue Bürgermeisterin von Marktheidenfeld. Mit ihr ziehen neun Freie Wähler in den Marktheidenfelder Stadtrat ein. Ludwig Keller übernimmt das Amt des Fraktionsvorsitzenden, Reinhold Braun wird zum Ortsvorsitzenden gewählt. Altlandrat Armin Grein wird in den Bezirkstag von Unterfranken gewählt.
  • Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder und ihr Stadtrat setzen in ihrer Amtszeit eine Reihe zukunftsträchtiger Projekte um: Neues Rathaus-Center mit Tiefgarage, Neubau des Bauhofs, gebundene Ganztagsschule mit umfassender Sanierung und Erweiterung der Friedrich-Fleischmann-Grundschule. Nach knapp zweijährigem Umbau des dringend sanierungsbedürftigen Bades Maradies eröffnet Ende 2012 das neue  Wonnemar. Dieses bietet neben Familien-, Sport- und Freibad einen attraktiven Wellnessbereich mit Thermalbad und Saunalandschaft.
  • 2013 Helga Schmidt-Neder wird erneut als Bürgermeisterkandidatin der Freien Wähler nominiert.