Den Main im Visier

Ortsbegehung (10)

An der Alten Mainbrücke folgen u. a. Alt-Landrat Armin Grein (3. v. li.), Dr. Michael Deubert (4. v. li.) und Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder (3. v. re.) den Ausführungen von Klaus Ludorf (nicht im Bild).

Den Main fest im Blick hatten die Freien Wähler Marktheidenfeld bei ihrer Ortsbegehung, zu der Vorsitzender Holger Seidel rund 25 interessierte Gäste begrüßen konnte. Man wolle mit den Bürgern über aktuelle stadtpolitische Themen und Entwicklungen ins Gespräch kommen – die Situation am Main, insbesondere die Zukunft der Alten Mainbrücke sowie die weitere Mainufergestaltung, bieten dafür, so Seidel, einen passenden Anlass.

 

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FW-Ortsvorsitzender Holger Seidel (2. v. li.) konnte gut 25 Gäste zur Ortsbegehung begrüßen.

Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder (FW) gab einen Überblick zum derzeitigen Sachstand „Alte Mainbrücke“. Sie wies auf den einstimmigen Beschluss des Stadtrats zum Erhalt der Brücke in ihrem jetzigen Zustand und auf die dem Stadtrat vorgestellten Ergebnisse der Simulationsfahrten hin, die „reale Ergebnisse“ dazu geliefert hätten, inwiefern eine gefahrlose Passage der Brücke möglich sei. Eine endgültige Entscheidung sei wohl frühestens im kommenden Jahr zu erwarten, so die Bürgermeisterin.

Die besondere historische Bedeutung der 1845 fertig gestellten Mainbrücke nahm Dr. Michael Deubert, Vorsitzender des Historischen Vereins Marktheidenfeld und Umgebung, in den Blick. Dabei betonte er die persönliche Mitwirkung des damaligen bayerischen Königs Ludwigs I. an der Planung, denn dieser habe verfügt, dass die Steine der Brücke „wie alte römische Quader behauen werden sollen“. Selbst die „Leipziger Illustrirte Zeitung habe im April 1845 über den Bau berichtet – ein Beleg für dessen architektonische Besonderheit. Deshalb sei der Erhalt der Brücke mit allen sieben Bögen aus historischer und denkmalschützerischer Sicht unerlässlich, so Deubert.

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Klaus Ludorf (re.) vom Schifferverein „Gute Fahrt“ äußert seine Meinung zur Zukunft der Alten Mainbrücke.

Auch er finde die Brücke sehr schön, ergänzte Klaus Ludorf vom Schifferverein „Gute Fahrt“ Marktheidenfeld seine Sichtweise. Mit dem Blick eines Schiffslenkers stelle sich die Situation in Marktheidenfeld aber als durchaus gefährlich dar. Dabei bezog er sich auf die Position der Brücke (nicht rechtwinklig zum Flusslauf) sowie Durchfahrtshöhe und –breite, die es schwierig machten, die Brücke gefahrlos zu passieren. Er plädiere deshalb dafür, einen Pfeiler zu entfernen und die Brücke dementsprechend zu gestalten, dass ihr Charakter weitgehend erhalten bleibe.

Nach kontroversen Gesprächen, welche die Brisanz des Themas einmal mehr deutlich werden ließen, widmeten sich die Teilnehmer dem Themenfeld „Mainufergestaltung“. Die Bürgermeisterin erläuterte die Beschlusslage zur Planung des Abschnitts zwischen Felsenkeller und Sängerheim und richtete ihren Blick auf die weiteren Abschnitte, deren Gestaltung durch die Projektgruppe noch anstehe. In diesem Zusammenhang machte Paul Woywod, ehemaliger Leiter der Autobahnpolizei Rottweil, aus Sicht eines Verkehrsexperten deutlich, dass man Zu- und Abfahrt zum Parkplatz am Main überdenken sollte. Gerade der „Parkplatzsuchverkehr“ beunruhige den doch eigentlich so schönen ruhigen Bereich am Mainkai, den er als „Sahnestück Marktheidenfelds“ bezeichnete. Einige Bürger äußerten an dieser Stelle ihre Sorge, dass durch den vielfach zu schnellen Verkehr im eigentlich „verkehrsberuhigten Bereich“ („Spielstraßen“-Schild) nach wie vor Gefahren für Fußgänger und Radfahrer gegeben seien. Es wurde der Vorschlag geäußert, die Bau-/Behelfsstraße zwischen Lengfurter Straße und Mainparkplatz durch Poller so zu sperren, dass nur Anwohner und Rettungskräfte passieren könnten.

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Brigitte Barthel (3. v. re.), Vorsitzende des städtischen Jugendbeirats, erläutert die Pläne des Gremiums zur Erweiterung der Ma(e)in-Spielplatzes.

Die Beruhigung dieser „Rennstrecke“ sei auch Ziel der Bemühungen des städtischen Jugendbeirats, dessen Vorschläge und Initiativen die Vorsitzende Brigitte Barthel vorstellte. Schon im Juli würden Schüler des Balthasar-Neumann-Gymnasiums und der St.-Kilian-Schule ihre Ideen zur kreativen Verkehrsberuhigung in die Tat umsetzen. Vier Klassen waren aus einem Wettbewerb des Jugendbeirats mit ihren Entwürfen als Sieger hervorgegangen. Daneben, so Barthel, befasse sich der Beirat intensiv mit der Erweiterung des Mehrgenerationenspielplatzes am Main, die ja schon vom Stadtrat angeregt worden war. Hierzu werde man voraussichtlich im Herbst an die verantwortlichen Gremien mit entsprechenden Entwürfen und Anträgen herantreten.

FW-Ortsvorsitzender Seidel dankte Bürgermeisterin und Experten für ihre sachkundigen Informationen sowie den Bürgern für ihr aktives Interesse, das sie durch Fragen und Diskussionsbeiträge deutlich gemacht hätten. Er kündigte an, dass die Freien Wähler solche Veranstaltungen vor Ort in loser Folge durchführen wollten, zugeschnitten auf die Fragen und Anregungen der Bürger.